KI-Agenten im beaufsichtigten Umfeld: die drei Fragen, die vor dem Produktivbetrieb beantwortet sein müssen

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Die meisten Versicherer und Banken, mit denen ich spreche, haben mehrere funktionierende Agenten-Piloten — und keinen davon produktiv an einem Kernsystem. Das liegt fast nie am Modell.

Es liegt daran, dass drei Fragen nicht schriftlich beantwortbar sind:

  • Auf welche Systeme darf dieser Agent zugreifen? Nicht als Momentaufnahme, sondern als durchsetzbares Berechtigungsmodell.
  • Wer hat das entschieden — und auf welcher Grundlage? Eine Governance-Frage, die vor der ersten Produktivfreigabe geklärt sein muss, nicht danach.
  • Was legen Sie vor, wenn eine Entscheidung geprüft wird? Der Prüfpfad muss zum Zeitpunkt der Entscheidung entstehen. Rückwirkend lässt er sich nicht herstellen.

Das sind Architekturfragen, keine KI-Fragen. Und sie sind beantwortbar — vorausgesetzt, sie werden früh gestellt.

DORA verändert die Ausgangslage

Der Digital Operational Resilience Act verpflichtet beaufsichtigte Unternehmen unter anderem zu einer Risikobewertung vor Beauftragung externer IKT-Dienstleistungen, zu einem vollständigen Vertragsregister und zur laufenden Überwachung von Abhängigkeiten.

Agentische Systeme erschweren das erheblich. Die Frage „auf welche Systeme greift diese Komponente zu" ist bei klassischer Software eine statische Antwort, die einmal dokumentiert wird. Bei einem Agenten ist sie situativ. Wer das erst nach dem Pilotbetrieb berücksichtigt, baut nach — und Nachbauen kostet in der Regel ein Vielfaches der ursprünglichen Umsetzung.

Auch die BaFin schaut genauer hin

Die BaFin hat die Auslagerung von IT-Dienstleistungen ausdrücklich als Fokusrisiko benannt, insbesondere Konzentrations- und Abhängigkeitsrisiken bei Dienstleistern außerhalb Europas. Das schließt externe Unterstützung nicht aus — es bedeutet aber, dass jede Beauftragung einen strukturierten Vendor-Risk-Prozess durchläuft. Wer das von vornherein einplant, verliert deutlich weniger Zeit.

Mein Hintergrund

Ich komme aus der Sicherheitsarchitektur, nicht aus dem KI-Marketing. Bei Dell habe ich die Incident-Response-Infrastruktur verantwortet und dabei Azure Sentinel, Defender ATP und SecureWorks RedCloak integriert. Bei Assa Abloy Americas habe ich die Sicherheitsmaßnahmen entworfen und umgesetzt, mit denen das Unternehmen seine Compliance-Zertifizierungen erreicht hat. TOGAF 9, Level 1 und 2. Aktuell entwickle ich Software für die Versicherungsbranche.

Die Disziplin ist immer dieselbe: wissen, worauf ein System zugegriffen hat, wann — und es später belegen können.

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